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5 Fragen an Anja Caspary
Was sich seit den 90ern in der Musikbranche verändert hat – oder eher nicht? Wir haben Anja Caspary gefragt. Als eine der ersten Musikchefinnen der ARD kennt sie die Branche ebenso gut wie die dummen Sprüche mancher Männer, die man heute glücklicherweise nicht mehr so häufig hört. Wer sie von damals noch als DJ kennt, wird sich wundern, dass sie heute weniger Rock auflegt – und vielleicht einen ihrer Geheimtipps anspielen?! Viel Spaß bei der mittlerweile 15. Ausgabe von »5 Fragen an«:
Du warst eine der ersten Musikchefinnen der ARD – was hat sich seither für Frauen in Führungspositionen der Musikbranche verändert, und was nicht?
Als ich mit meiner Arbeit in der Moderation und Redaktion anfing, hieß es „Die muss sich hochgeschlafen haben“. Vor 30 Jahren war es unüblich, dass eine Frau als Musikjournalistin arbeitete, es gab viele Vorurteile, meine Haarfarbe war auch ungünstig. Sätze wie der oben werden heute nicht mehr gesagt, aber vielleicht von vielen noch gedacht? Bei Führungspersonen im öffentlich-rechtlichen Bereich ist es für Frauen wie für Männer gleich schwer: Visionen und Ideen sind oftmals nicht so leicht umzusetzen, weil sie Veränderung bedeuten.
Du kennst die Berliner Musikszene wie kaum eine andere – was macht den »Berlin Sound« für dich 2026 aus, im Vergleich zu vor 20 Jahren?
Vor 20 Jahren waren Die Ärzte genauso big wie heute, Rammstein noch ohne #metoo-Failure, Rosenstolz auf ihrem Zenit und Seed eine neue spannende Band. Es gab viel mehr Gitarrenrock und keine Clubkultur-Krise, das Berghain war erst zwei Jahre alt. Der »Berlin Sound« von heute ist eine Mischung aus Techno und Rap – mit Ikkimel und Ski Aggu an der Spitze.
Welcher Act aus Berlin ist für dich aktuell der spannendste Geheimtipp, den außerhalb der Stadt noch kaum jemand kennt?
Drei Frauen: Panicbaby, SHOKI, Tabea.
Du bist auch DJ – wann und wo legst du am liebsten auf, und was darf da nicht fehlen?
Früher habe ich ausschließlich Rock aufgelegt, jetzt bin ich eklektischer. Nie ohne Pussycat Dolls’ »Don’t cha«.
Was verbindet dich mit Köln bzw. mit der c/o pop – gibt es eine Erinnerung an frühere Ausgaben?
Das Schauspiel Köln (weil mein Sohn da spielte), der Dom, der Rhein, der Königsforst. Sorry, ich war immer nur auf der Popkomm ;-)
Anja Caspary arbeitet als Musikjournalistin und Autorin und lebt in Berlin. Nach einer Ausbildung zur Physiotherapeutin und Yogalehrerin und einem Germanistikstudium begann sie im Jahr des Mauerfalls als Moderatorin beim SFB und wurde eine der bekanntesten Radiostimmen Berlin-Brandenburgs. 2012 wurde sie vom Grimme-Institut in der Kategorie »Beste Moderatorin« nominiert. Von 2015 bis 2023 war sie Musikchefin der rbb-Welle »radioeins«. Daneben veröffentlichte sie den Bestseller »In meinem Herzen steckt ein Speer«, der den Tod ihres Mannes »The Incredible Hagen« (Die Ärzte) thematisiert. Seit 2025 hostet sie den Podcast »Berlin Sounds Inside«, einen 30-minütigen Live-Talk mit Musiker*innen, das einzige komplett crossmediale Format des rbb, von dem es schon drei Staffeln gibt.